Gravuren des Krieges – Mahndepots in Dresden
Ort 59: Pfotenhauer Straße 90
Wie für alle anderen medizinischen Einrichtungen
galt für die renommierte Staatliche Frauenklinik die Anordnung,
nicht „reichsdeutsche“ Patienten strikt getrennt vom
normalen Betrieb zu behandeln und unterzubringen. Im angrenzenden
städtischen Gerhard-Wagner-Krankenhaus waren dazu mehrere Baracken
errichtet worden. Die fachlich hochgeschätzte Leitung der Frauenklinik
widersetzte sich dem und brachte Fremd- und Zwangsarbeiterinnen
zusammen mit deutschen Frauen unter.
Die im Winter 1944/45 immer spürbarere Luftkriegsgefahr
bedrohte alle Patientinnen gleichermaßen. Für bauliche
Schutzmaßnahmen oder für eine umfassende Evakuierung
der Patienten fehlten jedoch auch in der Frauenklinik die notwendigen
Ressourcen, so dass sich die Vorkehrungen weitgehend auf organisatorische
Regelungen beschränkten.
Nachdem am späten Abend des 13. Februar 1945
Fliegeralarm ausgelöst wurde, transportierte das Personal der
Frauenklinik Patientinnen und neugeborene Kinder in provisorisch
vorbereitete Kellerräume. Die Gebäude der Frauenklinik
wurden bereits während des ersten nächtlichen Angriffes
schwer getroffen. Während mehr als 70 Neugeborene geborgen
und per LKW abtransportiert werden konnten, starben viele Frauen
in verschütteten Kellerräumen.
Frau J. berichtet: »Unter ihnen befand sich
eine Frau aus meinem Haus, die Zwillinge erwartete. Die Namen Regine
und Gesine sind mir noch in Erinnerung. Der Vater wollte eigentlich
an einem Mittwoch, das war die nächste Besuchszeit, kommen
und seine Familie in die Arme nehmen. Dazu ist es leider nicht mehr
gekommen. Unter den Toten waren auch die junge Frau und ihre Zwillinge.«
Auch im Gerhard-Wagner-Krankenhaus hatten die Luftangriffe
schwere Schäden zur Folge. Die Kinderklinik und mehrere weitere
Gebäude, darunter auch die Krankenhauskirche, wurden durch
Sprengbomben getroffen oder brannten aus.

Zum Weiterlesen:
Scholz, A.; Heidel, C.-P.; Lienert, M. (Hrsg.):
Vom Stadtkrankenhaus zum Universitätsklinikum. 100 Jahre Krankenhausgeschichte
in Dresden. Köln, Weimar, Wien, 200 |